Poetry

Nach sechs unglaublich langen und kraftzehrenden Jahren habe ich nun endlich meinen ersten Gedichte-Band "StigmaVerziert" fertiggestellt. Viel Leid und Schmerzen, aber genauso viel Hoffnung und Liebe sind über die Jahre hinweg in die einzelnen Zeilen geflossen, und nun freue ich mich einfach nur, Euch dieses kleine Werk (online) zur Verfügung stellen zu können. 

Ich wünsche viel Spaß und Freude bei der Lektüre und freue mich, wie immer, über Feedback, Kritik und sonstige Anregungen! :D >> Download <<

In Liebe und Verbundenheit, Euer Simon Felix Geiger


Nuancen

Um meinen Horizont zu weiten
werd ich die Grenzen enger ziehn.
Um nicht ins Äußerste zu gleiten
werd ich zurück ins Zentrum fliehn
und das mich ausfüllende Schwere
für immer fern von mir verstaun;
um durch die Leichtigkeit der Leere
Feinheit im Groben zu bestaun.


Mascha

Ich warf dich durch das nie Gesagte
hinaus – ins Unaussprechliche.
Was ich in Worten dir nie klagte,
sprach ich auf das von uns Gewagte
hinein – ins Unvergessliche,
wo Regenbögen deinen Namen
in tausend Farben zeichneten;
bis Engel dich umschwärmen kamen
und zärtlich dich in einen Rahmen
voll Ewigkeit – hin streichelten...
Doch kurz bevor dein Bild für immer
im Fluss des Firmaments entschwamm,
schob sich mein haltloses Gewimmer
auf schallgeschwelltem Silberschimmer
hinauf zu dir; wo mein Gesang
dein Ohr noch einmal horchen ließ, –
bis sich ein Harfenton aufschwang
und meiner Stimme letzten Klang
mit dir – bis ins Entfernte – stieß...


Ein Herz für Zwei

Komm her mein Schatz.

Dein Tränenfluss muss aufwärts fliessen;
in dir darf sich nichts stauen.
Auch das Schwere deiner Tiefen
musst du im Herzen aufwärts hieven,

bevor wir Brücken bauen:

Lass all die düstren Schattentage
aus deiner Brust gen Himmel ziehn;
Gedankenknoten nimm und trage
sie stimmungsschwankend hin zu Grabe
bis dein Kopf ruft: „Die Wolken fliehn!“

Dann leg die tränenfeuchten Lider
dorthin, wo meine trocken sind.
Gib deinen Kummer in mir nieder,
ich streichel sanft ihn immer wieder
obwohl er auch mich traurig stimmt.

Zuletzt müssen wir zwei uns küssen,
da nur ein Kuss den Schmerz vereint.
Doch aus den vielen Tränenflüssen
weiß ich bereits, du willst nicht müssen;
so bleibt uns zwein, ein Herz –

das weint…


Todesengel

Auf Gottes Händen balanciert
Bis zu den Rändern vorgedrungen
Ins tiefste Tal hinab gestiert
Vor Schatten hinters Licht gesprungen

Von Höhen himmlisch aufgesaugt
Blutleere Linien überschritten
Schutzengelscharen aufgebraucht
Beim Höllenritt Schiffsbruch erlitten

An tausend Enden angeeckt
Vom Wahnsinn bittersüß durchdrungen
Dornröschen im Schlaf aufgeschreckt
Am Abgrund engelsgleich gesungen

Vereinsamt in die Dornenrosen
Gefallen um aufzuerstehn
Im Glanze des ewiglich Großen
Darf ich demütig weitergehn ...



In Hast und Eile 

Die Welt rauscht rasend schnell vorbei,
in Saus, Gebraus und eilig schalten,
als ob durch Hast und durch Geschrei,
der Wert des Lebens blieb erhalten.

In wilden Zeiten leben wir,
sind stetig suchend und getrieben
vernetzt mit jedem, überall.
Nur das Hier fällt schwer zu lieben.

Immer schneller rast die Welt,
uns fehlt die Kraft selbst abzuspringen,
ein Dreher dreht, wie’s ihm gefällt,
so wird er uns nie Stille bringen.

Nur wenn wir’s wagen zu entsagen,
weder Plan, noch Netze spinnen,
können wir der Hast entrinnen,
und nach der Lebensfülle fragen.


Swing along, little one!

Du bist so herrlich unbeschwert,
so herzhaft leicht beschwingt.
Im Daseinskampf noch unversehrt
wie Säuselsound der Lärm entbehrt,
bis er mit ihm verschwimmt...
So singst du fröhlich immer wieder
Moldaumelodien im Takt
wellenschlagender Flusslieder
bis der Wind dich rauschend packt
und dich zum Swing seines Gesangs
im Klang der sich um Farne legt,
mit unverhofftem Heimkehrdrang,
im Irgendwo (ich weiß nicht wann)
zurück in meine Arme trägt...


Sehnsuchtsschwärmerei

Den Alltag auch mal ruhen lassen
Der Rastlosigkeit Füße leihen
Die Grübelei'n in Worte fassen
Und so den Kopf vom Sein befreien

Der Heimat keck den Rücken kehren
Ein "Lebewohl" und ein "Bis dann"
Dem Zweifel Unterschlupf verwehren
Mit breiter Brust mutig voran

Von Altbekanntem Abschied nehmen
Die traute Einsamkeit genießen
Der Sehnsucht Raum zum Träumen geben
Und Schwärmerei'n mit Wein begießen

Fernwehglocken klingen lüstern
Leise locken sie hinfort
Ihr Klang gleicht einem fernen Flüstern
Es weht der Wind der Wehmut dort

Das Ziel scheint fernab fast verschollen
Doch Füße fragen nicht nach dem "Wohin?"
Und sofern wir wirklich weiter wollen
Sind wir gemächlich auf dem Weg, dorthin


Frei zu Sein

Augen zu
Im Zimmer liegen
Nur in Gedanken vorwärts fliegen

Einen Augenblick noch Warten
Abwarten Anhalten Abschalten
Altlasten fallen lassen
Vollspassten schwallen lassen

Durch Verharren
Verblassen vergilbte Erinnerungsfetzen
Wodurch Räume für neue Tagträume entstehen
Und Momentaufnahmen vorübergehend
In Bilderfluten untergehen

Wie im Vogelflug fliegen verschenkte Stunden vorbei
Mit Jedem Atemzug liegen verdrängte Wunden wieder frei
Und es bleiben
Ob gewollt oder nicht
Narben im Schatten
Des Scheinwahrerlichts
Zurück

Denn
Nur dort wo ich ganz allein
Und alleine ich selbst bin
Dort wo kein "Rise up and Shine" sagt
Wie ich scheinbar ich selbst bin
Nur dort in den äußersten Ecken
Seh ich schon wieder Hoffnungsschimmer
Die kargen Wände
Mit Farbklecksen
Bedecken

Ich atme ein und atme aus
Und ich fliege als Luftzug zum Fenster hinaus
Von Winden umhüllt fliege ich von nun an voran
Ich frage nicht wann und wo komme ich an

Sondern ich schwebe
Auf windigen Böen gleitend
In luftigen Höhen treibend
In den Tag hinein
Gedankenlos schwebend
Genieß ich es

einen Windhauch lang

frei zu sein...


Angst vor der Explosion

Mit glänzenden Augen stehe ich da
Kribbeln im Bauch, Angstschweiß im Haar
Freibier getrunken, stehend gegessen
Nach endlosen Stunden zu Warten vergessen

Kurz vor dem Auftritt
Textblätterknittern durch zaghaftes Zittern
Knirschendes Knistern beim Passagen durchwispern
Ein Endorphin-Wellen durchflutendes Beben
Ein sich Auf-Wolke-sieben hebendes Schweben

Die Vorfreude steigt, vom Zeh bis zum Bauch
In Finger- und Haarspitzen kribbelt es auch
Ich steig auf die Bühne
Mein Herz in der Hand

Das Publikum klatscht

Es gegen die WAND!


H 2wei N(u)ll

in

rinnwasserüberlaufenen flussformationen
sich täglich anstauender gedankenstränge
verschwindet jedwede klarsicht im misch
masch des banalitätsdurchtränkten alltags

kurz aufwallende veränderungsversuche
kampfwilligwütender schwappen kopfüber
durch das chaotisch dahinklirrende wirrwarr
verkehrtherum verkan))n(te(ter gefälligkeiten
die sich im triebfederdurchleierten taumel
des um sich selbst zirkulierenden abwärts
strudels schlafwandelnd sicherheitstrunken
unaufhörlich immer wieder aufs neue

verlieren //


Das Wolfsgewand

Ich sehne mich im Welt-Gedrehe
Nach Wärme und Geborgenheit
Doch egal wohin ich sehe
Nichts als falsche Fröhlichkeit

Menschen die sich malträtieren
Hass regiert nimmt Überhand
Diese Kälte lässt mich frieren
Eiszapfen im Wolfsgewand

Ich will niemals so erkalten
Spür jedoch auch Frost und Gier
Möcht den Eisblock in mir spalten
Den verhassten Wolf in mir


Flummen Flimmern

Im Takt
Meiner Gedanken
Stehe ich wankend
Von glitzernden Sternen
Mit Licht überdacht
Über den Straßen meiner Stadt

Ich rauche
Den letzten Zug meiner Kippe
Und schnippe sie schwankend
In die düstere Flut
Der anbrechenden
Nacht

Das Flimmern der Flumme
Versprüht Flackernde Funken
Beim Flug in die leuchtende Glut
Der schweigenden Stadt
Im Abendgewand

Meine Lippen
Formen Wörter
Und wippen zu Bildern
Die mich bebend durchfluten
Und zum Mitschwingen
Bringen

Blick voran schweifend
Seh ich Zug um Zug streifend
Am Stadtrand
Blinkende Punkte
Hand in Hand
Durch ein Meer
Aus tänzelnden Lichtern
Taumeln

Sie wirbeln
Für einen Augenblick nur
In den pulsierenden Adern
Im flimmernden Schimmer
Von stur stierenden Quadern
Der Stadtmitte mit
Bis sie
In der flackernden Flut
Aus Bildern und Lichtern
Mit Häuserfassaden
Verschwimmen
Und wie Abendballaden Von Dichtern
Im Hall der Nachtigall
Sprachlos
Verklingen

Noch
Ein allerletztes mal
Lodert die glühende
Dabei Funken versprühende
Kippe im freien Fall
Auf

Bis auch sie
Den Boden berührend
Mit Licht überdacht
Im glimmernden Schimmer
Der düsteren Nacht

Für immer

erlischt

© Simon Felix Geiger, 2006 - 2012