Thursday, 22 December 2016

Nagelkreuzgemeinschaft

In diesen Zeiten des Terrors, des Rückzugs, der Polarisierung der Gesellschaft gilt es, besonnen zu reagieren und nicht voreilig Schlüsse zu ziehen und sich selbst gegenüber aufrichtig zu bleiben und sich einzugestehen, dass wir alle aneinander schuldig geworden sind und werden und dass geschlossene Weltbilder immer die Gefahr bergen, den Dialog und das Auf-Augenhöhe-Begegnen mit dem Anderen, dem Fremden, dem Gegenüber zu verweigern und das Nichteigene abzuwerten und schlecht zu machen und von sich selbst wegzustellen, es auszugrenzen, abzuwehren, wegzustoßen und nicht anzuerkennen. Gesellschaftsgräben werden nicht von heute auf morgen zugeschüttet. Das Trennende ist Realität zwischen Rassen, Klassen, Milieus, Kulturen, Religionen, Geschlechtern; sprich: zwischen uns Menschen. Und mitunter verlaufen auch in uns selbst tiefe Risse, Verletzungen und Gräben und es fällt uns schwer, all diese verschiedenen, sich zum Teil wechselseitig widersprechenden, eigenen Anteile im Abgleich mit dem Anderen auszutarieren und in Balance zu halten. Doch auch das ist ein Prinzip; innerseelisch wie auch gesellschaftlich gesehen: Alles Weggestoßene, Unterdrückte, Nichtdazugehörende, Abgewertete trägt Verletzungen der Ausgrenzung und Diskriminierung tief in sich, die nicht zusammenhanglos aus dem Nichts plötzlich unvermittelt in Einzelnen von heute auf morgen entstanden sind, sondern durch Gewalt und Einwirkung von außen in einem lange andauernden Prozess der Herabwürdigung und Ausbeutung; durch Zerstörung von Lebensräumen, durch Ausbeutung und Habgier, durch schlechte Taten verhärteter, perspektivloser, habgierig gewordener, abgestumpfter Gemüter, die der großen Müdigkeit und der Dunkelheit der heutigen, wirren Zeit erlegen sind. Doch unser Augenmerk liegt auch zu sehr auf dem Negativem. Die vielen positiven kleinen Projekte und Initiativen, die unsere Gesellschaft friedlich formen und hin zu einer besseren Zukunft für alle, basierend auf den Werten unseres Grundgesetzes, in Vielfalt gestalten, werden so selten in der öffentlichen Berichterstattung hervorgehoben, sodass leicht der subjektive Eindruck entsteht, dass "alles immer schlimmer" wird. Klar ist auch: Terror lässt sich nicht vollends verhindern. Die vollkommene Sicherheit gab es nie und wird es auch nicht geben. Aussagen wir "jetzt erst recht" und "wir lassen uns nicht spalten" geben Hoffnung und schenken Zuversicht auch über die anstehenden Weihnachtsfeiertage und im Hinblick auf Silvester und Neujahr. Wir sind allesamt aneinander schuldig geworden. Unsere Seelen lechzen nach Hoffnung, nach Liebe, nach Friede, nach Licht und mehr denn je: nach Trost und Versöhnung.


Versöhnungsgebet von Coventry

1959 wurde das Versöhnungsgebet von Coventry formuliert. Seitdem wird es an jedem Freitagmittag um 12.00 Uhr im Chorraum der Ruine der alten Kathedrale in Coventry gebetet.

„Alle haben gesündigt und ermangeln des Ruhmes,
den sie bei Gott haben sollten.“ (Römer 3,23)

Darum beten wir:

Den Hass, der Rasse von Rasse trennt,
Volk von Volk, Klasse von Klasse, Vater, vergib.

Das Streben der Menschen und Völker zu besitzen,
was nicht ihr eigen ist, Vater, vergib.

Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen ausnutzt
und die Erde verwüstet, Vater, vergib.

Unseren Neid auf das Wohlergehen
und Glück der anderen, Vater, vergib.

Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der Gefangenen,
Heimatlosenund Flüchtlinge, Vater, vergib.

Die Entwürdigung von Frauen, Männern und Kindern
durch sexuellen Missbrauch, Vater, vergib.

Den Hochmut, der uns verleitet, auf uns selbst
zu vertrauen und nicht auf Gott, Vater, vergib.

Seid untereinander freundlich, herzlich 
und vergebet einer dem anderen, 
gleichwie Gott euch vergeben hat 
in Jesus Christus. (Epheser 4,32)

Amen.

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