Saturday, 7 October 2017

Wer bin ich (zu werden bestimmt)?

Liebe Freundinnen und Freunde,
Liebe Menschenbrüder und -schwestern,
Liebe Blogleserinnen und Blogleser,

heute, nach 10 Jahren Wortschürferei und Wachsen im Prozess des lebenslangen Dazulernens, Fehlermachens, Scheiterns und Neuaufstehens, gilt es für mich, in ganz besonderer Weise, zurück zu blicken auf das was war, was ist und was womöglich noch kommen wird. Im Jahr 2007 habe ich mit "Auf zu neuen Ufern" mein erstes Gedicht geschrieben. Damals im Rahmen eines Vorbereitungsseminars für mein Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland (Südafrika) und im damals irrtümlichen, selbstwertverminderten Denken "ich bin nichts Wert, ich kann Nichts, ich schaffe das alles nicht". Damals zog, aufgrund meines Wunsches "besonders zu sein, herauszustechen und etwas Großes zu vollbringen" und einer daraus reslutierenden Überforderung depressives Gedankengut bedrängend von Außen in mich, besser gesagt: in mein Denken und damit auch in mein Verhalten ein. Es ist wichtig, dass wir lernen und erkennen, dass diese Gedanken und daraus resultierende Handlungen/ Taten, und Worte, nicht unsere sind, sondern von der Lüge her kommend uns bedrängende "falsche, fein flüsternde Stimmen" sind, die solange fehlgeleitet mit und bei uns bleiben, bis wir sie als falsch erkennen und und als verlogen-falsche Minderwertigkeitslüge entlarven:
Wir sind gewiss im Glauben an Jesus Christus, dass wir Gottes Töchter und Söhne sind.

Wir werden bedrängt in dieser Welt, das gilt es nicht schön zu reden, doch durch Furcht in den Glauben gekommen, erkennen wir Gott als Wirklichkeit an und lernen auf Sein Wort hin peu á peu mehr zu vertrauen: ER hat gute Wege für uns im Sinn und Liebe in Fülle! Amen. Jesuanische Spiritualität fordert uns (aus unserem eigenen Sumpf) heraus und fördert: Selbstwerdung. Jedoch nicht "aus sich selbst heraus" (im immer noch Mehr machen und an sich aus sich selbst heraus "verbessern"), wie elitäres Selbstoptimierungsdenken (du musst einfach mehr machen, mehr wollen, konsumieren, an dir feilen, dich verändern, anpassen, usw.) uns heutzutage einreden will, sondern aus der allerreinsten, sich - für uns - hingebenden, immer wieder, täglich neu schenkenden Herzensliebe (uns-hinzu-gesandt = der barmherzige Vater, mit Sohn bis zur vollkommenen, selbstüberfliessenden Hingabe am Kreuz sowie den heiligen Geist), die uns sukzessive - in warmer Liebe (it's just love!) - quasi vielmehr "von unten wie von oben her" in die ganze Wahrheit, durch Glaube Liebe und Hoffnung schließlich in die Freiheit und in den Frieden des lebendigen, liebevoll-gütig-barmherzigen Gottes (aller Menschen!) führt. Wir müssen und wir können das Ganze nicht überblicken. Wir sind immer nur Mensch. Fragment. Irgendwo im Ganz- und Heilwerdungsprozess. Aber auch Zerbrochene und Gescheiterte. Und doch von Gott geliebte Kinder. Auch im Scheitern gilt Gottes Zusage und Seine Treue - bis ans Äußerste. Wir können nicht Herausfallen. Niemand geht verloren. Wir haben Angst vorm Zuviel, vorm Zuwenig, sind wie Blätter im Wind, irren wie Schafe umher, doch Gott ist ein Gott, der sammelt und wieder und wieder, immer wieder neu, zusammenführt und uns, die auf ihn schauend vertrauen, die Treue hält. Halleluja. H-Alle-lu-Ja!


Was mich damals, in und nach Südafrika, nach 9 Monaten FSJ in der Ferne, depressiv gemacht hat, war mitunter der zu hohe Selbstanspruch, und damit einhergehend, die Unfähigkeit Schwäche einzugestehen und sich auch als schwach vor Anderen zu zeigen. Das hatte ich schon als Kind. Das ist in mir angelegt. Was soll ich tun? Es gehört zu mir. Ein hoher Selbstanspruch bringt auch viel Gutes hervor und zieht empor sowie voran und doch auch oft zu schnell und zu viel weg vom Hier und Jetzt. Rückblickend erinnere mich noch, wie ich als Kind beim Skifahren hingefallen bin und schreiend auf den Boden einschlug, weil ich mir vorgenommen hatte, dass ich nicht hinfallen werde und dann doch hingefallen bin. Meine Eltern machten sich Sorgen, weil ich wie am Spieß geschrieen habe, doch ich habe nur geschrieen, weil ich meine eklatanten Selbstansprüche nicht erreichen konnte. Dies galt und gilt es für mich in diesem Leben zu lernen: Weniger ist mehr. Und ich darf Hilfe annehmen, ich darf es nicht schaffen, ich kann es gar nicht selbst schaffen, ich werde es - dank der Liebe eines Anderen (der die Welt bereits - aus Liebe - überwunden hat) schaffen, weil er es bereits geschafft hat und der Weg somit bereits für mich und für uns Alle: gebahnt ist. Halleluja. Jesus ist damit für den der es ergreift, erkennt, bejaht und bezeugt: Der Weg. Die Wahrheit. Das Leben. Jesus ist die Kraft der flammenden Liebe, die nicht voll und ganz in den herrschaftlichen und machtvollen Übermenschen dieser Welt mächtig ist, (doch auch da wirkt Jesu), sondern vielmehr und vor allen Anderen: in den Schwachen! Du kannst es immer wieder versuchen, aber das Leben ist so angelegt, dass du es nicht selbst schaffen kannst. Das Leben ist so viel mehr Empfangen (von Anderen) als Selbst machen, oder nicht? Von klein an empfangen wir, werden wir gewickelt, werden wir großgezogen, lernen wir, wachsen wir, immer in der Polarität aus dem eigenen Streben wie auch aus dem Herangezogen werden. Diese Dualität ist wichtig. Sie ist: aufeinander angewiesen. Wir sind: aufeinander angewiesen - untereinander - und auch in Beziehung zu Gott: Connected in one Love!

Mit "Schwäche eingestehen" meine ich nicht: ein kokettierendes "Spiel" mit der eigenen, vermeintlichen Schwäche die auf das Gesehen-werden-wollen durch Andere zielt und dann doch letzten Endes wieder nur selbstfokussiert bei sich bleibt; sondern einfach dieses Eingeständnis im Unaufgeregten, Einfachen, im Scheitern: Ich gebe es zu, ich kann nicht mehr, ich breche zusammen, ich bin zu schwach morgens aufzustehen, mir fehlt die Kraft. Ich bin gescheitert. Ich wollte alles selbst schaffen und habe es selbst nicht geschafft. Und dann geschah etwas mit mir und so geschieht ES vermutlich auch bei Anderen: In diesem Annehmen und im nicht mehr-Jemand-Großes-Starkes-Sein-müssen, im "Abfall" von den großen Idealen und den Lügen des eigenen EGOs (der Herrscher = Goliath in uns/ aber auch Kapitän für unser Seelenschiff, um im Leben klar zu kommen), entfaltet sich - von unten wie von oben gleichermaßen "an uns" gedeihend - die feine, sanfte, liebevolle Gnade, die einen Boden, ein Fundament in uns legt Gnadenboden).
Wolkenflaumig weich und sanft, babylich unaufdringlich, leise und still, kaum vernehmbar hinaufkeimend. Das ist ES, das ist das dienende Prinzip, das jesuanisch-sanfte, erdnah empor keimende, unaufgeregt-nüchternde, das sowohl von außen als auch von innen heraus in mit durch bei mit uns wirkt. ES wirkt! J-ES-US wirkt! Uns so werden wir neu. Nicht im Hochoben. Nicht im Tiefunten. Im Nichtmehrmüssen. Im Empfangen lernen. Im Los - Lassen. Im Entspannen. Im demütig sich in die Hand Gottes geben: Nach Kampf und Krieg und Leiden und Wollen und Machen(müssen) und... ER ist da - für dich.

Der Silberstreif am Horizont, das Licht das Finsternisse bricht. HALLELUJA!



Aus dieser - wahrhaftig zu sich selbst ehrlich und aufrichtig seienden - Wahrheit ("Ja, ich schaffe es nicht alleine aus mir selbst") erwächst dann, irgendwann, vielleicht auch viele Jahre und Erfahrungen später, die Erkenntnis: Ja, es stimmt. Ich allein kann die Welt und ich kann mich und ich kann andere Menschen aus all den, über Jahrtausende entstandene und schon früh in uns angelegte Prägungen, nicht aus meiner begrenzten eigenen Kraft befreien und heilen. Es geht nicht! Wahr ist: Am Boden, im Unaufgeregten, im Simplen, im machtlos-herrschaftslos-absichtlosen: fängt die Liebe an. Und ja, es ist in uns dieses Bestreben und Wollen und Machen und Organisieren und visionäre Hinstreben (männliches Prinzip: Struktur schaffen) angelegt: Dieser Wunsch es - immer (wieder) besser - zu machen. Doch irgendwann im voranschreitenden Durchdenken und Leben erwächst in uns die befreiende Erkenntnis: Aus all den menschlichen Verstrickungen. Aus unseren eigenen. Aus familiär gewachsenen. Aus freundschaftlichen. Aus Schuld. Aus Angst. Aus Gier. Aus Macht. Usw. Aus all diesem "Schlamm" können wir uns nicht in diesem einen Leben alleine "herausziehen". Wir können uns, und das ist befreiend zu erkennen, herausziehen lassen. Hinaufziehen - lassen. Los - lassen. Und das Paradoxe daran ist: Im Nicht mehr selbst die Kontrolle haben wollen und machen wollen und evangelisieren und machen und helfen und zurechtweisen und lehren und verändern und heilen müssen, erwächst - im Seinlassen - eine immense, gnadenvolle Kraft - sowohl von unten als auch von oben her - die uns (nicht wir aus uns sondern sie, die Kraft mit durch und aus uns) "großzieht". Sprich: Uns wachsen Wurzeln und Flügeln gleichermaßen.

Wir verwurzeln uns erdnah und uns gedeihen Flügel himmelhin.


Unser unserem herrschaftlichen EGO (GOLIATH) liegt ein uns sanft dienender david im: Einander dienen. Wir sind und wir bleiben: aufeinander angewiesen. Lasst uns unten anfangen und dienend am Boden erdnah aufwärts gewachsen werden. Wir werden also Heimat im Miteinander, welches es zu gestalten gilt. Wir sind Vorrübergehende und lassen uns los - ins Werden hinein. Halleluja!


"Gott wohnt in jedem Menschen!" und "nur wer nicht geliebt wird, hasst, nur wer nicht geliebt wird, hasst" - wahre Worte. die uns gerade auch heute tief berühren, aber auch Mut machen und aufrütteln. Die deutsche Politik dieser tage muss, wie Steinmeier es in seiner Rede zur Deutschen Einheit dieses Jahr am 3. Oktober gesagt hat, endlich einsehen und erkennen: Wir müssen wieder aufeinander zugehen und offen werden Füreinander ("verstanden werden und einander verstehen" Steinmeier). Das deutsche Narrativ hat die Geschichten und Erfahrungen der Ostdeutschen niemals wirklich aufgenommen. Diese Geschichten der Menschen sind nie wirklich gehört und integriert worden. "Nur wer nicht geliebt wird, hasst, nur wer nicht geliebt wird, hasst"! Das Caritas-Jahresthema 2017 lautet: Zusammen sind wir Heimat. Und genau das ist es: Im Miteinander werden wir Heimat. Und das inkludiert das Miteinander in Vielfalt aller (!) Menschen in diesem Lande. Im Namen der Demokratie müssen wir für den Zusammenhalt kämpfen. Face-to-Face. Die Lüge spaltet und versklavt Menschen. Die Wahrheit (in Jesu Namen) führt immer, allen Widerständen und Stolpersteinen zum Trotz, in die Freiheit! Halleluja. Gelobt sei der HERR! Auch ein Sich-herausnehmen auf Zeit kann für die Gemeinschaft hilfreich sein, da diese Menschen, einen Blick von Außen auf das Innen entwickeln und erkennen, was die "im Boot sitzenden" nicht mehr sehen.

Und doch gilt es, wenn wir das Miteinander und liebevoll-warmen Beziehungsreichtum als von Gott gewollt als Richtschnur nehmen, diese Menschen auch wieder einzuladen, am Ganzen und an der demokratischen Gesellschaft teilzuhaben. Die Randständigen dieser Tage? Arbeitslose, Abgehängte, Ungeliebte, Ausgeschlossene, Abgedrängte, seelisch Sensible (genannt: psychisch Kranke/ oftmals feine, schwache, sanfte Seelen, die es nach Frieden und menschlicher Nähe dürstet), Homosexuelle, Straftäter, Sexualtäter, usw. In all diesen gilt Jesu Wort "meine Kraft ist in den Schwachen mächtig" ganz besonders. Gott wohnt und wirkt in und durch alle Menschen, er wohnt in jeder und in jedem und ist in der Face-to-Face Begegnung im wirklichen Leben (nicht auf Facebook) erfahrbar im Miteinander; wenn wir in Liebe miteinander gleichgestellt auf Augenhöhe verbunden sind und uns füreinander wirklich interessieren (Heilung durch Begegnung).


Hier ist auch die Frage nach der eigenen (kollektiven wie persönlichen) Identität immer wieder Frage und Thema. Ich kann nur vollkommen ich selbst sein, wenn ich weiss, wer ich bin, wie ich zum jetzigen Punkt und zu meinem Zustand gelangt bin (biografisches Gewordensein), also einerseits stets im Rückblick auf das Vergangene, andrerseits aber auch im ganz bei sich Selbst im Hier und Jetzt entschleunigt da sein. Darüber hinaus gibt uns Jesus ein Vor-Bild vor. Also ein Bild worauf wir uns - visionär in die Zukunft gerichtet - ausrichten dürfen und sollen. Und doch ist meine Erfahrung: Jesus offenbart sich nur, wenn wir uns auf die Suche begeben. Wir im Höhlengleichnis von Platon: Ohne die Umwendung und Umkehr (Hinwendung auf Gottes Weg) von uns, geht es nicht. Und das ist oftmals ein langer Suchprozess bis er in ein Finden und dann in ein Gefundenwerden übergeht und eine Gewissheit in uns von außen her erwächst: Gott ist Wirklichkeit und sein Wort ist Wahrheit und sein Weg führt in die absolute Freiheit, allen Widerständen und Bedrängnissen zum Trotz. Jesus ist DAS WORT das befreit von allen menschlichen, weltlichen Zwängen und Verengungen und Lügen und Ketten und Unzulänglichkeiten und Verstrickungen. Doch ohne Umwendung und Wachstum zum Haupt, zu Jesus, in dieses zukünftige Bild und Ziel hinein, irren wir weiterhin durchs Leben, ohne das Wissen, dass letztlich Gott jesuanisch durch in und mit uns wirkt und stets schon direkt bei uns ist. Auch und gerade im Scheitern. Im Fallen. Im Nichtschaffen. Im Loslassen. So werden wir also Empfangende und das muss ich mir selbst auch immer wieder sagen, bis ich es begreife. Ich darf das Schreiben und Künstlersein getrost auch an den Nagel hängen. Es ist meine Gabe. Und die Gabe ein Geschenk, wo aber auch die Gefahr des Bedrängtwerdens (der Widersacher ist existent) ansetzt. Darum kann ich es auch Loslassen und - immer wieder neu - abgeben in Deine Hand. Ich muss mein Rätsel "wer ich bin?" und "wer ich sein werde?" nicht selbst lösen: ER vollendet - mich. ER vollendet - uns. Das heisst: Wir dürfen glauben und vertrauen lernen und abgeben was uns bedrängt. Halleluja und Amen. Das ist für mich die frei machende Botschaft: Jesus und Gott lieben mich und lieben dich. Sie lieben uns und haben uns auf diese gottgeschaffene Welt gesandt. Die Lüge und der Bedränger haben schmieden falsche Pläne, suchen Einlass in unsere Gedanken und Handlungen, doch Jesu Kraft wirkt vom Anfang der Welt bis zu ihrem Niedergang und wird uns, Schritt für Schritt, allen Umwegen und Widerständen zum Trotz: in die Freiheit führen. Halleluja. Gelobt sei der HERR!

Und wenn, wie bei Bonhoeffer, einsames Fragen uns umtreibt und wir nicht mehr wissen wer wir sind: Gott weiss es. Er vollendet uns in unserem Suchen und Fragen und Nichmehrkönnen. Ihm düren wir alles anvertrauen und abgeben. All unser Scheitern, unsere Schwächen und Zweifel. Amen.


Mit diesem 250sten Blog-Eintrag und nach 10 Jahren "Dichter- und Poet"-Sein verabschiede ich mich für einige Zeit von diesem Blog, der jetzt für sich steht und offen ist gelesen zu werden. Meine Saat ist ausgebracht. Ich gehe ins Empfangen - am Boden. Wartend auf die Dinge die da kommen. Eleminend erscheint am 19. Februar 2019 und wird dann auch kostenfrei als pdf-Manuskript hier zum Free-Download online gestellt werden. Bis dahin: Seid herznah behütet auf Eurem Weg. Beschützt vor allem was Euch zu bedrängen versucht und gewiss, dass die Gnade des treuen, wahrhaftig lebendigen und liebenden Gottes (in Jesu Namen in mit vor hinter durch bei UNS) nimmermehr endet. Denn die Liebe hört nimmermehr auf, sondern wirkt immer fort. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Euch: Ganzwerdung im Fragmentarischen sowie im Wissen, dass dies hier alles nur Stückwerk ist und die letzte Vollendung durch Gott geschieht im letzten Hinübertreten: ER vollendet. Segen möget ihr empfangen. Liebe schenken, Hoffnung behalten. In Liebe und in Jesu Namen: H-ALLE-LU-JA!: Amen.





TRUE FRIENDSHIP & BIG LOVE,

Euer und Ihr,

Simon Felix Geiger                                                               Feiburg im Breisgau, 7. Oktober 2017

No comments: